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Wir schaffen das nicht – Abschied von der Integration

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Wir hätten es schaffen können, hätte die Politik von Anfang an agiert, statt nur zu reagieren und die richtigen Zeichen gesetzt, aber es kamen leider die falschen.

Zwei Beispiele:

Den Anfang machte Frau Merkel mit „Wir schaffen das“, eine Losung, die mich in ihrer Aussage an „Der Sozialismus siegt“ erinnert. Genauso wie damals wurde klar vorgegeben, wie zu denken und zu sprechen sei. Von Anfang an wurde eine Kultur, in der zu erwartende oder denkbare Probleme offen diskutiert werden könnten, verhindert. Fanden doch mal Bedenken den Weg in die Öffentlichkeit, gab es blamable Reaktionen. Auf die Frage, ob man vor dem Islam Angst haben müsse, hatte die Kanzlerin ein Patentrezept: „Wir müssen nur wieder mehr in die Kirche gehen und in der Bibel lesen“. )1

So wird die ideologische Teilung des Landes vorbereitet. Die unterschiedlichen Formen des Aberglaubens gegeneinander und alle gemeinsam gegen die Säkularen. Der Gedanke, in so einer Lage wäre konsequenter Laizismus angebrachter, also die Fragen der Religion als eine private Angelegenheit zu betrachten und Staat und Religion konsequent zu trennen, sollte gar nicht erst aufkommen.

Noch schlimmer daneben lag der linke Ministerpräsident Thüringens, Bodo Ramelow, mit seinem Verständnis für das gewalttätige Verhalten einer Gruppe von Flüchtlingen. Er äußerte allen Ernstes Verständnis für einen bis zu 60 Mann starken – leider muss man das so formulieren – Mob in einem Suhler Flüchtlingsheim, der einen Konvertiten, der seinen Koran zerrissen hatte, lynchen wollte.


Laut Presseberichten wurde ein Brand an das Zimmer der Wachleute gelegt, in das sich das potentielle Lynchopfer geflüchtet hatte, die eintreffende Polizei eingesperrt, das darauf gerufene Sonderkommando einschließlich anwesender Journalisten mit Eisenstangen angegriffen und insgesamt ein Schaden von ca. 400.000 Euro verursacht. Aber was zählte das schon gegen das Zerreißen eines Korans.


„Das geht gar nicht“ befand Ramelow und meinte damit das Zerreißen eines religiösen Buches.)
2 Er stellte damit die Werte unseres Grundgesetzes auf den Kopf. Selbstverständlich kann jeder, auch im Sinne einer Meinungsäußerung, Bücher zerreißen, wie er will – so lange es nur seine eigenen sind. Angriffe auf die körperliche Unversehrtheit und sogar auf das Leben sind jedoch klar verboten.

Die Kanzlerin hätte Ruhe in die Situation bringen und unbegründete Ängste nehmen können, wenn sie erklärt hätte, welchem Plan sie folgt. Aber außer der unrealistischen Hoffnung, über eine europaweite Verteilung der großen Anzahl von Flüchtlingen Entspannung schaffen zu wollen, gab es nichts. So wuchsen Ängste und wurden weidlich von offen und verdeckt agierenden Nazis genutzt, um sich als mögliche Retter ins Spiel zu bringen. Mit einigem Erfolg, denn nicht jedem der Verführten war klar, dass deren einfache Lösungen keine Lösungen sind.


Unterstützt wurde dieser Rechtstrend von den demokratischen Parteien. Weil diese sich durchweg weigerten, Antworten auf Fragen nach den zu erwartenden Problemen zu geben oder die überhaupt nur zu benennen, sorgten sie für zusätzlichen Zulauf im Spektrum rechts außen. Auch Bürger, die Probleme auf uns zukommen sahen, wurden in die rechte Ecke gestellt. Auf diese Weise „sorgten“ unsere Politiker mit für das Erstarken der sog. rechten Szene.

Warum die Integration scheitern wird

Eine verfahrene Situation, in der Politiker mit Gestaltungs- und Entschlusskraft aus den etablierten Parteien gefragt wären. Leider zeigt sich da keiner.

Grund genug für mich, selbst einmal Ideen und Vorschläge zu entwickeln. Die können, schon mangels ausreichender Informationen, nicht bis zum Schluss ausformuliert und durchdacht sein, sie können sogar völlig falsch sein. Vielleicht aber stellen sie eine Grundlage für eine offene Diskussion dar. Dabei sollte als Zielsetzung gelten, den Flüchtlingen möglichst umfangreich helfen zu können, ohne dabei die Interessen der ansässigen Bevölkerung zu vernachlässigen.

Wir müssen offensichtlich davon ausgehen, dass wir es mit dem Beginn einer Völkerwanderung zu tun haben. )3 Kriege werden nicht abnehmen, sondern in Folge des Klimawandels und dem damit verbundenen Kampf um Ressourcen, zunehmen.)4 Die Zuwandererzahlen werden weiter anwachsen und schon allein diese schiere Masse eine erfolgreiche Integration nahezu unmöglich zu machen.)5 Folgen wir der bisherigen Politik „Refugees welcome“, wäre dabei besonders mit folgenden Problemen zu rechnen:

– Die Sozialsysteme werden überlastet und können nicht mehr oder nicht mehr in dieser Form gehalten werden. Mieten werden durch ständig steigende Nachfrage nach Wohnraum steigen. )6 Löhne, besonders in den unteren Gruppen, werden sinken, weil sich ein großes Angebot billiger Arbeitskräfte entwickeln wird. Die Aufhebung des Mindestlohns für Zuwanderer wird bereits diskutiert.

Das wiederum führt zu einem Konkurrenzkampf besonders in den unteren Einkommensgruppen. Rechte und ganz rechte Gruppierungen werden das ausnutzen und damit werden Ausländerfeindlichkeit und Terror gegen Ausländer zunehmen. Von Linksaußen wird es eine Gegenbewegung geben und die Spaltung der Gesellschaft wird voran schreiten. )7

– Während hauptsächlich Un- bis wenig Gebildete einwandern (der gern zitierte syrische Arzt ist eine absolute Ausnahme), wandern gleichzeitig besonders qualifizierte Deutsche aus.)8 Das allgemeine Bildungsniveau wird sinken und mit ihm die Produktivität und damit auch die Leistungsfähigkeit, überdurchschnittliche hohe Sozialleistungen zu erwirtschaften.

– Zwei Drittel der Zuwanderer sind Männer. Es kommt zur Bildung von „Erpelgruppen“. Solche nur aus Männern bestehende Gruppen gehen gemeinsamer Freizeitgestaltung nach und bilden eine ideale Grundlage für Radikalisierung.)9

– Die geweckten hohen Erwartungshaltungen der Zuwanderer können nicht erfüllt werden.)10 Es besteht die Gefahr, dass die meisten von ihnen das nicht auf ihre zu hohe Erwartungshaltung bzw. andere persönliche Ursachen zurückführen sondern auf das Aufnahmeland.

Da Deutschland nicht konsequent säkular ist, vielmehr staatsreligiöse Züge trägt, wird ein großer Teil die Ursache des persönlichen Scheiterns in der Missachtung der eigenen Religion sehen und sich den hiesigen fundamentalistisch orientierten muslimischen Organisationen zuwenden. Eine weitere Grundlage zur Radikalisierung und Herausbildung von Parallelgesellschaften.

– Aus den Herkunftsländern mitgebrachte verfestigte Anschauungen wie Judenhass, Sexualfeindlichkeit und Unterdrückung der Frau, überhaupt die Auffassung von der gesellschaftsbestimmenden Rolle der Religion, werden unsere offene und liberale, vom Gedanken der Freiheit und Selbstbestimmung des Individuums geprägte Gesellschaft nachhaltig ändern. )11

Alle diese Probleme erschweren eine erfolgreiche Integration ganz erheblich. Ein weiteres wird sie unmöglich machen.

Die wichtigste Voraussetzung für eine gelungene Integration ist die gesellschaftliche Teilhabe. Die wird vor allem durch Erwerbsarbeit erreicht. Sie ermöglicht nicht nur den Aufbau eigener Verantwortlichkeit, sondern bringt auch wichtige persönliche Bestätigung. Fehlt diese Erwerbsarbeit, bilden sich schnell muslimische Parallelgesellschaften, wie sie schon jetzt in den Ballungsgebieten existieren und bekanntlich der Politik große Sorgen bereiten. Auch Sprachkompetenz wird sehr viel über Arbeit erreicht.
Übrigens, im Bereich der deutschen Langzeitarbeitslosen kennen wir dieses Phänomen auch. Allerdings in nicht so auffälliger Form, weil der Großteil der Werte und Verhaltensweisen dort mit der übrigen Gesellschaft übereinstimmt. 

Die Industrie hat bereits zu erkennen gegeben, dass die derzeit Zuwandernden aus Syrien, Irak und Afghanistan nicht die dringend benötigten Arbeitskräfte darstellen. Zu niedrig ist das Niveau ihrer Ausbildung und Sprachkenntnisse und zu aufwändig und langwierig, das zu ändern. Bei einem Modellversuch der Bundesanstalt für Arbeit wurden in 9 Städten 1000 ausgesuchte Flüchtlinge besonders gefördert. Trotzdem fanden nur 67 einen Arbeits- und 27 einen Ausbildungsplatz. Gerade im Bereich der weniger Qualifizierten werden aber in den nächsten Jahren durch die weitere Automatisierung immer mehr Arbeitsplätze weg fallen. Die ganz große Zahl der Zuwanderer, besonders dann, wenn wir realistischer Weise von einer andauernden Zuwanderung ausgehen, wird also in den Sozialsystemen landen und somit keine Chance zur Integration haben.)12 Es bleibt nur ein Schluss:

Integration wird zumindest für das Gros der Zuwanderer nicht möglich sein!

Elemente alternativer Lösungsmöglichkeiten

Wenn aber eine Idee, so erstrebenswert deren Zielsetzung auch sein mag, nicht verwirklicht werden kann, darf man diese nicht weiter verfolgen und muss alternative Lösungsmöglichkeiten entwickeln.

Diese kann ich zwar nicht bieten, aber doch Anregungen geben. Auch wenn die im ersten Moment auf Ablehnung stoßen und mit Sicherheit von Diesem und Jener als fremdenfeindlich empfunden werden, bin ich überzeugt, dass sie für die Masse der Flüchtlinge eine ebenso gute Lösung darstellen wie für uns. Folgende Gedanken stelle ich hier zur Diskussion:

– Es wird genau zwischen Flüchtlingen und Asylsuchenden auf der einen und Einwanderern auf der anderen Seite unterschieden. Die Unterscheidung erfolgt nach einem noch zu schaffenden und sowohl die Interessen des Einwanderers als auch die des aufnehmenden Landes berücksichtigendem Einwanderungsgesetz. Dauerhafter Aufenthalt bzw. Integration erfolgen gemäß Einwanderungsgesetz, die Duldung von abgelehnten Asylbewerbern wird abgeschafft. Flüchtlinge und Asylsuchende erhalten nur noch eine zeitlich begrenzte Aufenthaltsgenehmigung und müssen, sobald zumutbar, wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Auch, weil sie dort mit Sicherheit sehr gebraucht werden.

– In dieser Zeit werden sie möglichst in den Berufen ausgebildet, die für den Aufbau ihrer Herkunftsländer am bedeutsamsten sind. Dazu werden die Bildungswilligsten und -fähigsten besonders gefördert. Sie können dann als Multiplikatoren fungieren, in ihren Heimatländern aber auch schon hier.  Auch als Lehrer für ihre Kinder, die erst einmal in ihren Heimatsprachen lesen und schreiben lernen müssen ehe sie noch Deutsch lernen.

Finanziert werden diese Maßnahmen aus Mitteln, die bisher für Zwecke der Integration gedacht waren, sowie aus Mitteln der Entwicklungshilfe, deren gute Absichten oft genug verfehlt wurden und nach aller bisheriger Erfahrung zu großen Teilen in dunklen Kanälen versickerten.
– Jeder Flüchtling darf sofort Arbeit aufnehmen, auch wenn das in der Praxis schwierig sein wird. Deshalb ist dort besonders auf Mithilfe bei der Betreuung anderer Flüchtlinge zu setzen. Wer die Fähigkeiten bereits besitzt oder hier erworben hat, kann z.B. bei der Ausbildung und Betreuung anderer Flüchtlinge, als Dolmetscher oder ähnlichem eingesetzt werden.

– Die Unterbringung erfolgt nicht mehr integrationsorientiert. Das ermöglicht es, nach Herkunftsländern und Ethnien zu trennen, um religiöse und ethnische Auseinandersetzungen zu vermeiden. Es werden Aufnahmeeinrichtungen geschaffen, die mit eigener Infrastruktur bis hin zu Schulen und medizinischen Einrichtungen auf Dauer angelegt werden und im Prinzip kleine Städte darstellen.

– Nachzug für Familienangehörige gibt es nur, wenn deren Existenz in vollem Umfang vom hier bereits lebenden Familienmitglied bzw. Familienmitgliedern gewährleistet werden kann.

– Flüchtlingslager in den Anrainerländern werden international finanziert, um einen Mindeststandard zu gewährleisten.

– Die europäischen Außengrenzen werden so gesichert, dass keine unregistrierte Einwanderung mehr möglich ist. Gleichzeitig werden Möglichkeiten geschaffen, Asylanträge legal stellen zu können.

Dazu können Hotspots dienen, die sogar mobil sein könnten. So könnten beispielsweise Urlauberschiffe zu schwimmenden Aufnahmeeinrichtungen umgebaut, mit entsprechenden Beamten besetzt und militärisch gesichert werden. Sie könnten dann vor Küsten Flüchtlinge auf- und Asylanträge annehmen. Abgelehnte Asylbewerber werden sofort zurückgeschickt, die akzeptierten per Linienschiff in verschiedene Aufnahmeländer gebracht.

Finanziert werden könnte das teilweise aus den Militäraktionen gegen Schleuser und der Rettung von Bootsflüchtlingen, die sich dann erübrigen würden. Der Schleusermarkt verlöre seine Grundlage.

Durch diese oder weitere denkbare Maßnahmen würden Unruhe und Ablehnung auslösende Konkurrenzsituationen z.B. auf dem Wohnungsmarkt, in Schulen und bei ärztlicher Versorgung vermieden werden. Die derzeit unrealistisch hohe Erwartungshaltung von Flüchtlingen würde gar nicht erst entstehen und die Gefahr der Enttäuschung oder gar die Entwicklung von Frustration und Aggression entfiele. Aber auch die durchaus begründeten Besorgnisse der deutschen Bevölkerung würden stark verringert und den Rechtsextremen die Basis für die Verbreitung ihrer Ideologie genommen werden. Ein möglicher Ruck des Landes in rechtsextreme Positionen könnte so vermieden werden.

Einen letzten, schwierigen Punkt müssen wir selbst leisten. Es gilt, die Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. Es muss Schluss damit sein, alle Kritiker der bisherigen Flüchtlingspolitik als Rechte und Fremdenfeinde in die eine Ecke zu stellen und alle Befürworter als hemmungslose Idealisten und Gutmenschen in die andere. Wir müssen in einer Demokratie, die vom Dialog lebt, akzeptieren, dass andere Menschen andere Meinungen haben, folglich miteinander über unsere Meinungsverschiedenheiten reden. Nur wenn wir miteinander im Gespräch bleiben und in diesen Gesprächen keine Denkverbote setzen, können wir unsere offene und liberale Gesellschaft erhalten.

)1 http://www.welt.de/politik/deutschland/article146183441/Merkels-deutliche-Botschaft-an-alle-besorgten-Buerger.html

)2 http://www.tagesspiegel.de/politik/fluechtlingsheim-in-suhl-streit-zwischen-fluechtlingen-ueber-koran-eskaliert/12211756.html

)3 http://www.welt.de/debatte/kommentare/article149576173/Sie-wollen-alle-nur-weg-aus-ihren-toten-Laendern.html

)4 http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-12/flucht-klimawandel-klimafluechtling-migration-kleinbauer

)5 https://www.tagesschau.de/inland/fluechtlinge-integration-101.html


)
6 http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wohnungsmarkt-fluechtlinge-und-studenten-konkurrieren-um-wohnungen/12372748.html


)
7 http://www.mdr.de/nachrichten/polarisierung-fluechtlingsdebatte100_zc-e9a9d57e_zs-6c4417e7.html

)8 http://www.expat-news.com/20872/life-style/studie-warum-viele-deutsche-auswandern/

)9 http://www.zeit.de/2015/45/bevoelkerungsentwicklung-einwanderung-buergerkrieg-fluechtlinge-maenner
http://www.express.de/koeln/koeln-sexuelle-uebergriffe–opfer-erzaehlt-vom-horror-am-hauptbahnhof-23252186

)10 http://www.weser-kurier.de/bremen_artikel,-%E2%80%9EDie-Enttaeuschung-ist-oft-gross%E2%80%9C-_arid,1162525.html

)11 http://www.taz.de/!5254751/

)12 http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitsmarkt-arbeitsministerin-nahles-will-jobs-fuer-zehntausende-fluechtlinge-1.2773302

12 Kommentare

  1. Ich stimme den Aussagen zu, die Rüdiger in seinem Beitrag äußert. Frau Merkel hat mit ihrer Zusage, die Flüchtlinge im Budapester Hauptbahnhof aufzunehmen, eine Flüchtlingsbewegung ausgelöst, die sie nicht bewältigen und Deutschland überfordern wird. Als einmalige Aktion wäre sie eine verständliche Hilfsaktion gewesen, als Dauermaßnahme wird sie, wie bereits deutlich erkennbar ist, die deutsche Gesellschaft und Europa spalten. Vor allem werden die Konflikte infolge einer anderen Religion und Kultur bagatellisiert, wenn nicht sogar ignoriert.

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass Frau Merkel, um ihre Chance, den Friedensnobelpreis zu bekommen, diese einmalige Hilfsaktion gestartet hat. Schließlich wusste sie, dass sie weit oben auf der Liste der Kandidaten stand. Sie hat dazu offensichtlich weder ihr Kabinett um Zustimmung befragt noch gar die zwangsläufig mit in Haftung genommenen europäischen Amtskollegen kontaktiert. Die Folgen sind bekannt. Der uns Deutschen bisher nur hinter vorgehaltener Hand unterstellte selbstherrliche Führungsanspruch wird uns jetzt offen vorgeworfen. Was sie uns als notwendige Barmherzigkeit verkaufen möchte, wird von anderen als nötigender moralischer Imperativ verstanden.

    Rüdiger macht deutlich, dass es ihm keinesfalls darum geht, Menschen in Not die Hilfe zu verweigern. Er möchte deutlich machen, dass die jetzt planlos ablaufende Politik in großer Enttäuschung bei den hier angekommenen Flüchtlingen enden wird. Er macht Vorschläge, die sowohl die Ursachen in den Blick nehmen als auch Maßnahmen enthalten, die in realistischer Abwägung des Machbaren das in Gang setzen sollen, was man als nachhaltige Hilfe und Hilfe zur Selbsthilfe bezeichnen kann. Nicht zuletzt erinnert er daran, dass in einer Demokratie so schwerwiegende Entscheidungen nicht ohne Berücksichtigung von Volkes Meinung getroffen werden dürften.

  2. Danke, Uwe, für den treffenden Kommentar und die schöne Zusammenfassung meines Anliegens.

  3. Dieser Beitrag von Rüdiger Weida verweist auf eine Reihe lesenswerter bzw. ansehenswerter Beiträge aus den Zeitungen Zeit, Welt, Tagesspiegel, taz, Süddeutsche und dem Fernsehen. Allen diesen Berichten kann man die Dramatik entnehmen, der wir schon jetzt, aber erst recht zukünftig ausgesetzt sein werden.

    Warum wird dieser wichtige Beitrag nicht diskutiert? Ist es Vogel-Strauß-Verhalten oder resigniert man bereits ob der Rat- und Hilflosigkeit unserer Politiker? Wir steuern dank einer Politik von Moralisten und Ignoranten in die ökonomische Bedeutungslosigkeit und von dort in die Verarmung. Wir haben ein immer schlechter ausgestattetes und schleichend weniger leistungsfähiges Bildungssystem, dazu eine Zuwanderung von überwiegend wenig bis gar nicht ausgebildeten Menschen, deren Bildungsfähigkeit aus vielerlei Gründen das für eine hochtechnisierte Wirtschaft erforderliche Niveau in den meisten Fällen nicht erreicht. In etwa 25 Jahren werden wir von Asien, aber auch von Ländern mit einer überlegten Einwanderungspolitik wie Kanada oder Australien, dominiert werden.

    Offenbar ist das der Mehrzahl unserer Politiker gleichgültig, meinen sie doch in ihrer religiösen Verblendung, dass uns ohnehin das Himmelreich blüht und uns für alles entschädigen wird, was uns hier auf Erden dank der Politik verloren gehen wird: Wohlstand, gesellschaftlicher Frieden und damit Freiheit und Demokratie.

    Aber – so wird uns eingeflüstert – Kleingläubige, die wir sind, verstehen die vorausschauende Weisheit unserer Politiker bloß nicht. Und sie mögen insofern Recht haben: Wer heute über 80 Jahre alt ist, wird solche Prophezeiungen in ihrer Härte vermutlich nicht mehr erleben müssen.

    • Die Menschen erkennen nicht die Dramatik der Zeit. Viele haben Furcht, sich zu äußern. Selbstzensur allerorts. Die Schweigespirale dreht sich munter, der moralisch-politische Druck wirkt auf allen Ebenen. Um das zu durchbrechen, würde ich mir wünschen, wenn man Stimmen wie Ihre und Rüdigers öfter und lauter hören würde. Wir brauchen venünftige und besonnene Leute, eine Opposition der bürgerlichen Mitte – jenseits der AfD -, die das Ruder herumreißt, bevor es ganz zu spät ist. Ich bin skeptisch. Es wird schlimmer werden, die Gesellschaft wird sich weiter zersplittern und polarisieren – rechts, links, religiös. Es wird ungemütlich werden.

  4. Guter Artikel, aber leider wechselt die Schriftfarbe ständig von Schwarz auf Grau, was verwirrend ist, Ich benutze Firefox 43.0.1

  5. Okay, dann oute ich mich mal: Ich halte Rüdigers Beitrag für eine fleißige Arbeit zu einem Thema, das ihm offenbar auf den Nägeln brennt. Das geht uns ja fast allen so.
    Ich halte die im Text getroffenen Aussagen jedoch weder für korrekt, noch die Schlussfolgerungen in irgendeiner Weise für hilfreich.

    Das beginnt bei der Quellenlage: Nein, die Massenmedien – und nur solche werden zitiert – sind keine verlässlichen Quellen. Sie erheben keinen wissenschaftlichen Anspruch und werden ihm auch nicht gerecht. Massenmedien produzieren, was sich verkauft. Sie spiegeln die Stimmung ihrer Nutzer wider oder die ihres Herausgebers. Sie dokumentieren nicht die Realität. Man wird mit ihnen immer die eine Behauptung belegen können und zugleich das Gegenteil. Insofern sind alle allein aus der medialen Berichterstattung gezogenen Schlüsse nicht mehr wert, als ein beliebiger Zeitungskommentar. Das reicht mir nicht.

    Konkret irritiert mich eine Reihe von Rüdigers Aussagen: Unbelegt bleibt beispielsweise, dass unter den Flüchtlingen besonders viele Ungebildete seien. Ja, zwei Drittel von ihnen haben keinen Berufsabschluss (wie wir ihn verstehen). Allerdings sind 30 Prozent der Flüchtlinge unter 18 Jahre, 45 Prozent unter 25 Jahre alt (siehe https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/Asyl/statistik-anlage-teil-4-aktuelle-zahlen-zu-asyl.pdf?__blob=publicationFile). Wie viele echte, blonde Deutsche in dem Alter verfügen wohl über einen Berufsabschluss?
    Rüdiger schreibt: „Die Zuwandererzahlen werden weiter anwachsen und schon allein diese schiere Masse eine erfolgreiche Integration nahezu unmöglich machen.“ Woher diese Sicherheit? Aus der Geschichte? Mein Tipp an dieser Stelle: http://hpd.de/artikel/12627 . Ich behaupte hier nicht, dass die Integration ein Kinderspiel wird. Dafür, dass sie unmöglich ist, fordere ich aber bessere Belege als einen Tagesschau-Beitrag, der diese Unmöglichkeit nicht einmal behauptet, sondern nur Probleme erwähnt. Diese Probleme erwarte ich durchaus – zumal die Aussage, dieser oder jener lasse sich bestimmt nicht integrieren, ja wohl eine klassische selbsterfüllende Prophezeiung ist.

    Entschuldigung, aber so geht es mir mit vielen, der von Rüdiger herangezogenen
    Befürchtungen, Warnungen, Visionen. Herrje, die Flüchtlinge sind nicht alles liebe, nette Menschen! Da sind auch echte Arschlöcher dabei! So was hatten wir hierzulande ja noch nie! Was machen wir denn jetzt?
    Ich bitte, die Ironie zu verzeihen.
    Sie ist schon deshalb nicht angebracht, weil mich die Schlussfolgerungen in dem von mir kritisierten Text einfach nur erschrecken.

    Rüdigers Forderung: „Es wird genau zwischen Flüchtlingen und Asylsuchenden auf der einen und Einwanderern auf der anderen Seite unterschieden.“ Schon mal den Begriff „Asylverfahren“. Was da wohl passiert? Kundig machen! Ansonsten CSU wählen!
    „Flüchtlinge und Asylsuchende erhalten nur noch eine zeitlich begrenzte Aufenthaltsgenehmigung und müssen, sobald zumutbar, wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren.“ Ist das derzeit anders? Und was heißt „zumutbar“?
    „Auch, weil sie dort mit Sicherheit sehr gebraucht werden.“ Wer braucht sie? Wer heißt sie willkommen? Namen bitte! Wenigstens als Beispiel.
    „In dieser Zeit werden sie möglichst in den Berufen ausgebildet, die für den Aufbau ihrer Herkunftsländer am bedeutsamsten sind.“ Ach, das geht dann. Aber für Deutschland sind sie zu ungebildet? Hm.
    „Es werden Aufnahmeeinrichtungen geschaffen, die mit eigener Infrastruktur bis hin zu Schulen und medizinischen Einrichtungen auf Dauer angelegt werden und im Prinzip kleine Städte darstellen.“ Verdammt! Dann sag doch auch „Lager“ dazu!
    „Flüchtlingslager in den Anrainerländern werden international finanziert, um einen Mindeststandard zu gewährleisten.“ Ach, die Anrainer können das, aber wir armen Deutschen nicht? Ja, es geht uns besch…
    „Durch diese oder weitere denkbare Maßnahmen würden Unruhe und Ablehnung auslösende Konkurrenzsituationen z.B. auf dem Wohnungsmarkt, in Schulen und bei ärztlicher Versorgung vermieden werden.“ Na, klar doch, weil ja ohne Flüchtlinge der Wohnungs- und Arbeitsmarkt bisher das Paradies war! Wenn es zum Kollaps des Sozialsystems kam, dann immer nur durch Zuwanderung. Wir wollen keine neuen Sündenböcke! Raus mit ihnen!
    „Aber auch die durchaus begründeten Besorgnisse der deutschen Bevölkerung würden stark verringert und den Rechtsextremen die Basis für die Verbreitung ihrer Ideologie genommen werden.“ Genau! Es ist ja alles gut begründet (siehe oben). Lassen wir die Rechtsextremen nicht weiter ihre Ideologie verbreiten! Wir können das besser!

    Okay, das letzte war hart. Aber auch ich kann mich erregen.
    Es fällt mir nicht im Traum ein, die in Rüdigers Text durchscheinende Meinung verbieten oder verunglimpfen zu wollen. Ich halte sie für wichtig – schon, weil wir uns kennen und eigentlich ganz sympatisch finden. Aber ich teile diese Meinung nicht. Ich halte sie für erschreckend und, ja, wenn man sie konsequent zu Ende denkt, für inhuman.
    So weit meine Meinung dazu. Die musste mal raus. Und jetzt darf jeder widersprechen. Am liebsten natürlich begründet.

    • Also ich werde deiner Meinung nicht widersprechen. Du darfst die gern haben.
      Außerdem spricht dein Posting für sich selbst. Während ich sachlich argumentiere und zumindest Hinweise anführe, warum meine Meinung richtig sein könnte, stellst du nichts als Behauptungen auf. Ohne jeden Beleg, sogar ohne jeden Hinweis, warum die richtig sein könnten. Dafür mit persönlichen Angriffen.
      Da braucht es keinen weiteren Kommentar mehr.

  6. Rüdiger, solltest Du meinen Beitrag als persönlichen Angriff empfinden, so bitte ich um Entschuldigung. Das lag nicht in meiner Absicht.
    Aber noch einmal: Die Quellen, die Du zur Begründung Deiner Meinung aufführst, beruhen in der Mehrzahl auch wieder nur auf Meinungen anderer. Ja, es mag der eine oder andere „Experte“ darunter sein. Aber ich vermisse Fakten, ja selbst bloß Beispiele, dass die Integration ab einer bestimmten Anzahl von Menschen oder bei einer bestimmten Nationalität grundsätzlich nicht funkionieren kann. Und das ist es ja, was Du befürchtest. So habe ich Deinen Text jedenfalls verstanden.
    Ich habe meinerseits mit dem zweiten von mir verwendeten Link (auf den HPD) versucht, auf Beispiele durchaus gelungener Integration aus der Geschichte hinzuweisen. Sagen wir mal so: Für mich sind sie Grund zur Hoffnung.

  7. Es ist nicht meine Aufgabe, Alexander, exakte statistische Quellen zu benennen. Die dürfte ist in vielen Fällen zu dieser Problematik noch gar nicht geben. Ich habe nur Wahrscheinlichkeiten benannt und diese mit Aussagen von doch z.T. recht hochkarätigen Experten unterstützt.

    Meinen Grundgedanken noch mal kurz zusammen gefasst: Arbeit ist der wichtigste Bestandteil an Integration. Die fehlt aber, völlig unabhängig von der Qualifikation, schon jetzt für viele Menschen und wird auch weiter fehlen, ja sogar abnehmen.

    Deshalb, ob man es bedauert oder nicht, ist Integration gar nicht möglich und deshalb müssen andere Wege gegangen werden. Dazu habe ich hier eine Dikussion angeregt und von Anfang an betont, meine Vorschläge müssen nicht die endgültige Lösung sein. Es kann auch andere geben.

    Wer aber weiter an der Integration fest hält, muss als erstes erklären, wie er in den nächsten Jahren Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen will. Denn es werden Millionen kommen, wenn die bisherige Flüchtlingspolitik so weiter geht.

  8. Rüdiger, ich bewundere deine Gelassenheit bei so viel Schlichtheit. Respekt!

    • Ich möchte ja überzeugen und bemühe mich deshalb immer, ohne persönliche Wertungen oder so aus zu kommen. Alte Regel aus der Jugendarbeit. 😉

      Sicher war Alexander hier nur sehr erregt, weil meine Ansicht seiner politischen Grundeinstellung einfach zu sehr widerspricht.

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